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140.000 Gebärmutterentfernungen jährlich

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140.000 Gebärmutterentfernungen jährlich

 

Das spiegelt sich offenbar auch in der Behandlung gutartiger Tumoren an der Gebärmutter wieder. Bei jährlich etwa 140.000 Frauen in Deutschland wird aufgrund dieser Diagnose die Gebärmutter entfernt – darunter nicht selten Patientinnen unter 35 Jahre. Der Eingriff, so weiß man beim Frauengesundheitszentrum in Berlin, wird von Ärzten - vor allem von Männern - standardmäßig empfohlen. Dabei gibt es Alternativen. Zum Beispiel vorerst nichts tun. Denn die meisten dieser gutartigen Myome sind bei der Entdeckung ungefährlich, und viele bleiben es auch. Doch die Operation bringt Geld: Auf etwa 600 Millionen Euro wird der Umsatz jährlich geschätzt.
 
 

Skeptiker könnten versuchen, die dramatischen Beispiele von Nonsens-Operationen, die Frank Wittig in seiner Reportage beschrieben hat, als Einzelfälle oder die Verfehlungen von schwarzen Schafen unter den Ärzten abzutun.

Und tatsächlich rettet die moderne Medizin Leben, wo Patienten noch vor zwanzig Jahren von chronischen Leiden und dem Tod bedroht waren, wie Wittig selbst zu Recht betont.

Doch wenn es besonders lukrativ ist, das Skalpell zu schwingen, wenn die Fachgesellschaften ihre Leitlinien vor allem im Interesse ihrer Mitglieder verfassen, braucht man sich nicht zu wundern, dass viele Ärzte sich eher für als gegen die Empfehlung eines Eingriffs entscheiden.

Und solange Patienten nicht ausreichend darüber aufgeklärt werden, welche teure Hightech-Therapie wann tatsächlich angebracht ist, bleiben dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Bleibt zu hoffen, das Beiträge wie "Sinnlose Operationen - Abkassieren per Skalpell" wenigstens einige Augen öffnen.

(sueddeutsche.de/pak)

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